Es gibt Neuigkeiten aus der Verkehrsplanung. Die A45-Brücke über die Martener Straße in Dortmund-Dorstfeld wird abgerissen. Das ist an sich schon mal eine feine Sache. Nichts symbolisiert den morbiden Charme unserer Heimat so treffend wie eine Brücke, die von einem Statiker mit den Worten „Ich würd da nicht mal mehr ’ne Kiste Pils drüberschieben“ für beendet erklärt wird.

Aber jetzt kommt der Clou, das Filetstück der Ingenieurskunst: Die Autobahn GmbH sperrt nicht nur die Brücke. Nein. Das wäre zu einfach. Sie machen für acht Monate einfach alles zu. Die A45. Die Martener Straße. Die Schienen der Deutschen Bahn. Die U44. Vermutlich kappen sie auch noch das WLAN und verbieten den Zugvögeln, ab April 2027 über Dorstfeld zu fliegen. Acht Monate Vollsperrung. Das ist keine Baustelle mehr, das ist eine Quarantänezone.

Ich habe mir das mal durchgerechnet. Acht Monate. In der Zeit hat Gott die Welt erschaffen, sich ausgeruht, das Konzept des Nieselregens erfunden und noch mal in Ruhe drüber nachgedacht, ob das mit den Schnaken wirklich eine so gute Idee war. In Dortmund baut man in der Zeit… naja, ein Loch.

Man muss sich das logistisch mal auf der Zunge zergehen lassen. Sie wollen im nächsten Jahr mit der U44 fahren? Vergessen Sie’s. Laufen Sie. Nehmen Sie ein Kanu. Oder noch besser: Bleiben Sie einfach zu Hause. Der Dortmunder an sich verlässt seinen Stadtteil ja ohnehin nur ungerne, es sei denn, er wird mit einem Angebot für stark reduzierte Fleischwurst gelockt. Das Umleitungskonzept des Tiefbauamtes liest sich schon jetzt wie der Plot von ‚Mad Max: Fury Road‘, nur dass die Fahrzeuge langsamer sind und die Leute im Stau Mettbrötchen essen.

Man munkelt bereits, dass der Stadtteil Dorstfeld in dieser Zeit als eigenständiger Staat anerkannt werden will. Wo früher LKW-Reifen den Asphalt malträtierten, sollen nun seltene Flechten wachsen. Das Tiefbauamt hat als Trostpflaster angekündigt, die Schrankenanlage an der A43 früher abzubauen, damit die Leute wenigstens dort ungehindert im Stau stehen können. Das nennt man Service. Das ist Verkehrsplanung mit der Zärtlichkeit eines Vorschlaghammers.

Ich werde mir für April 2027 jedenfalls einen Liegestuhl auf die Martener Straße stellen. Und wenn dann jemand fragt, was ich da mache, sage ich: „Ich warte auf die U44. Und auf das Ende der Welt. Beides soll gegen November kommen.“

Von admin

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