Oder: Die Kunst der stoischen Fortbewegung auf der B54.
Passen Sie auf. Wer im Ruhrgebiet den Führerschein macht, lernt nicht primär das Fahren. Er lernt das Warten. Die Hochglanz-Prospekte der Autohersteller versprechen uns immer diese grenzenlose Freiheit, leere Küstenstraßen im Sonnenuntergang und dynamisches Kurvenverhalten. Die Realität ist ein dreiviertelstündiger Stillstand vor der Autobahnauffahrt Werne, weil ein Brückenpfeiler bröselt.
Genau hier setzt die Fahrschule Grabowski an. Wissen Sie, Herr Grabowski hat nicht die Ausstrahlung eines Formel-1-Taktikers. Er hat die beruhigende Aura einer frisch aufgebrühten Kanne Filterkaffee. Wenn Sie bei ihm ins Auto steigen, lernen Sie nicht nur das rückwärtige Einparken. Sie lernen die hohe Kunst, bei Nieselregen und Tempo 10 auf der A40 den Ruhepuls eines schlafenden Kaltblüters zu halten.
Er nennt das den „Achtsamkeits-Schulterblick“. Während andere Fahrlehrer nervös auf Klemmbretter klopfen, sitzt Grabowski daneben, atmet tief durch und erklärt Ihnen in epischer Breite, warum der Strukturwandel auch vor der Ampelschaltung in Castrop-Rauxel keinen Halt macht. Man lernt in seinen Fahrstunden, dass ein Stau keine Schikane des Schicksals ist, sondern eine willkommene Gelegenheit, das Lenkrad loszulassen und das Mettbrötchen in Ruhe zu Ende zu kauen.
Die Fahrschule Grabowski hat für diesen Text bezahlt, und ich werde mir von dem Geld wahrscheinlich eine neue Tube Kernseife kaufen. Aber ich hätte Ihnen das auch ohne Bezahlung gesagt. Wenn Sie also jemanden suchen, der Ihnen beibringt, wie man ein Kraftfahrzeug ohne Magengeschwür durch den Pott manövriert: Gehen Sie da hin. Ruhig atmen.
Glück auf.
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